Corona – Klima – Krise – Konsequenzen?

DPtV-LunchTalk zu Aufgabe der Psychologie in Corona- und Klimakrise

Berlin, 19. November 2020 – Corona-Krise und Klimakrise haben das vergangene Jahr stark geprägt. Ernste Bedrohungen gehen von beiden aus – die Reaktionen der Gesellschaft auf Virus und Erderwärmung sind dennoch sehr unterschiedlich. „Corona – Klima – Krise – Konsequenzen?“ lautete daher das Thema des diesjährigen LunchTalks der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV). In einer kontroversen Diskussion erörterten Psychotherapeutin Dipl.-Psych. Lea Dohm und Sozialpsychologe Prof. Dr. Klaus Fiedler mit DPtV-Bundesvorsitzendem Gebhard Hentschel die Möglichkeiten, wie Menschen in Krisen zu verantwortungsvollem Handeln animiert werden können. Mehr als 360 Teilnehmer*innen konnten sich zudem mit Fragen und Kommentaren beteiligen – der LunchTalk fand pandemiebedingt online statt.

Psychotherapie-Know-How in Klimakrise gefragt

„Die Klimakrise ist in Deutschland angekommen. Das löst Irritationen aus – bei den Patient*innen – aber auch bei einem selbst“, sagt Lea Dohm, Mitgründerin der Psychologists for Future / Psychotherapists for Future. „Wir sitzen alle in einem Boot. Das sind wir aus der Praxis sonst nicht gewohnt.“ Die Psychotherapeut*innen könnten sich von den Folgen der Klimakrise nicht unabhängig machen. Gleichzeitig seien sie durch ihre Ausbildung in der Lage, auf die neuen Herausforderungen zu reagieren: „Man braucht nicht das tiefe Klimapsychologie-Wissen. Es geht hier zum Beispiel darum, wie man über die Klimakrise reden kann, ohne Freundschaften zu gefährden.“

Bevölkerung ist kooperativ

„Conversion statt Compliance, Vertrauen statt Überwachung, Anstrengung statt Nudging“, schlägt Prof. Dr. Klaus Fiedler im Umgang mit Klimakrise und Pandemie vor. Der Leiter des Lehrstuhls für Sozialpsychologie an der Universität Heidelberg sieht in restriktiven Maßnahmen keine Alternative: „Wie erreicht man, dass Menschen das Richtige tun? Nur durch selbstbestimmte Verhaltensweisen. Druck führt zu keiner Verhaltensänderung.“ Im Allgemeinen halte er die Bevölkerung für sehr kooperativ: „Wir trennen unseren Müll. Wir kaufen Katalysatoren. Aber 100 Prozent erreicht man natürlich nie.“ Als Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina plädiert er für eine stärkere Einbeziehung der Verhaltenswissenschaftler bei den Maßnahmen zur Klimakrise und der Corona-Pandemie.

Der LunchTalk 2020 ist in Kürze als Video verfügbar: www.dptv.de/lunchtalk

 

Pressemitteilung (PDF)


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