Jahresthema Sucht


Sucht- und Abhängigkeitserkrankungen sind in Deutschland weit verbreitet. Sie stellen Psychotherapeut*innen und bestehende Therapiekonzepte immer wieder vor neue Herausforderungen. Neben dem persönlichen Leid der Erkrankten und der betroffenen Familien belasten die Folgen der Suchterkrankungen auch die Volkswirtschaft.

Nach Zahlen der Bundesregierung entstehen alleine durch suchtmäßigen Alkoholkonsum jährlich Schäden in Höhe von rund 40 Milliarden Euro. Das Institut für Therapieforschung München hat festgestellt, dass etwa 25 Prozent der Störungen auf vier Substanzgruppen entfallen (Alkohol, Nikotin, Medikamente sowie Cannabis, Kokain und Amphetamine) ­– das entspricht rund 12,5 Millionen Erwachsenen.

DPtV: Psychotherapeutische Behandlung von Suchtkranken strukturell verbessern!

Psychotherapeutische Behandlung und Prävention von Suchterkrankungen müssen stärker in den Blick genommen und ergänzt werden. Suchterkrankungen haben komplexe Ursachen und verlaufen in der Regel chronisch. Bei der Behandlung der stoffgebundenen (z. B. Alkohol) und stoffungebundenen Süchte (z. B. Spielsucht) sind strukturelle Verbesserungen nötig. Die Richtlinien zur psychotherapeutischen Behandlung von Suchtkranken müssten überarbeitet werden.

Heute können Patient*innen nur maximal zehn Sitzungen Psychotherapie erhalten – danach müssen sie für die Fortführung der Behandlung abstinent sein. Das ist völlig unangemessen und unrealistisch und führt dazu, dass Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen nicht ausreichend ambulant psychotherapeutisch versorgt werden können.

Auch die Suchtprävention muss dringend verbessert und erweitert werden. Ambulante Suchtbehandlung benötigt Möglichkeiten einer berufsgruppenübergreifenden, koordinierten und strukturierten Versorgung durch Psychotherapeut*innen, Psychiater*innen, Hausärztinnen und -ärzte, Sozialarbeiter*innen, der Suchtberatung, psychiatrischen Krankenpflege und Soziotherapie. Die DPtV fordert den Gesetzgeber auf, für die Kooperation neue Regeln zu schaffen.

Alte und neue Süchte – wie nützlich ist Psychotherapie?

Rund um das Thema Sucht drehte sich 2019 unser DPtV-Symposium. Gemeinsam mit den Referent*innen und Teilnehmer*innen haben wir diskutiert, welche Therapiekonzepte sich in der Praxis bewähren und wie die Versorgung der Patient*innen bedarfsgerecht(er) ausgestaltet werden kann.

Mit Akteurinnen und Vertretern aus unterschiedlichen Institutionen des Gesundheitswesens und der Gesundheitspolitik haben wir in unserer Podiumsdiskussion erörtert, welche Hürden bei der ambulanten Psychotherapie von Abhängigkeitserkrankungen bestehen. Zudem sind wir der Frage nachgegangen, wie sich Kooperationen mit dem Suchthilfesystem verbessern und die ambulante psychotherapeutische Suchtbehandlung stärken lassen.

>>> Alle Vortragsfolien und Videomitschnitte zum DPtV-Symposium 2019